Stellungnahme des City-Management Kempten zur Situation Areal „Ecke Bahnhofstraße/Mozartstraße“
Die bayerischen Innenstädte sind heute durch vielerlei Faktoren – wie den Rückgang inhabergeführter Einzelhandelsgeschäfte, die sich ausweitende Filialisierung und die damit einhergehende Austauschbarkeit, sowie den rasch wachsenden Online-Handel – bedroht. Um den Handel in der Innenstadt hinsichtlich dieser Herausforderungen zu stärken, hat die Stadt Kempten ein Einzelhandelskonzept erarbeitet, welches 2009 im Stadtrat beschlossen wurde. Dieses beinhaltet u.a. die Festlegung eines zentralen Versorgungsbereichs „Einkaufsinnenstadt“ sowie eine Liste „zentrenrelevanter Sortimente“.
City-Management sieht Entwicklung mit großer Sorge entgegen
Als Interessenvertretung der Innenstadt ist es
dem Verein City-Management Kempten e.V. ein zentrales Anliegen, die
innerstädtischen Strukturen der Stadt Kempten in Funktionalität und
Wirtschaftlichkeit zu erhalten und weiterzuentwickeln. Der Verein befürchtetn jedoch nun, dass durch das
Gerichtsurteil, welches den Bebauungsplan „Westlich Forum Allgäu“ für unwirksam
erklärt, die Grundlage für das Ausfransen der „Einkaufsinnenstadt“ gelegt
wurde. Daher unterstützt das City-Management die Bestrebungen der
Stadt Kempten
und ihre Regelungen zum Schutz des innerstädtischen Handels voll und
ganz. Der Verein fordert die Stadt dazu auf, keine Zugeständnisse zu
machen und an ihrer Entscheidung,
keine zentrenrelevante Sortimente zuzulassen, festzuhalten. Denn
sollten diese
Sortimente an einer Stelle außerhalb des im Einzelhandelskonzept
festgelegten
Bereichs zulässig werden, würde das keine Ausnahme bleiben.
Im Gegenteil wäre
künftig kein gültiges Regelwerk mehr vorhanden, um die Ansiedlung weiterer
Einzelhandelsprojekte mit zentrenrelevanten Sortimenten im gesamten Stadtraum
Kempten zu verhindern. Dies würde einen verheerenden Dominoeffekt bewirken:
Kurzfristig hätte man zwar das „Große Loch“ an der Ecke
Bahnhofstraße/Mozartstraße gestopft, langfristig würde dies allerdings zu
etlichen anderen „Löchern“ in der Kemptener Innenstadt führen. Die Bemühungen
und der Aufwand, den die Stadt sowie Investoren betrieben haben, um die
klaffenden Lücken im zentralen Versorgungsbereich (Beispiel Zentralhaus) zu
schließen, wären vergeblich gewesen, und die Einkaufsinnenstadt Kempten wäre
erneut durch Leerstände geplagt. Mit Sorge bangt das City-Management um die derzeitige
Attraktivität der Innenstadt Kemptens und rechnet mit schwerwiegenden negativen
Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung des innerstädtischen Einzelhandels.
Die Forderung des City-Managements: Das Einzelhandelskonzept muss Bestand haben.
Daher spricht sich das City-Management klar für das Bestehenbleiben der Grenzziehung des zentralen Versorgungsbereichs „Einkaufsinnenstadt“ aus. Denn auch gegenüber Investoren, die in den vergangenen Jahren maßgeblich zur positiven Entwicklung der Einkaufsinnenstadt Kemptens beigetragen haben, besteht eine Verantwortung, zugesagte Rahmenbedingungen nicht leichtfertig gravierend zu verändern. Das Einzelhandelskonzept diente als Entscheidungsgrundlage für Investitionen, die u.a. auch zu Gunsten der nördlichen Innenstadt getätigt wurden. Diese Bestrebungen sind für die Bildung eines ausgewogenen Einkaufsgebiets im Zentrum Kemptens äußerst förderlich. Wenn im Süden, am Standort des „Großen Lochs“ zusätzlich 3000 m² Verkaufsfläche für zentrenrelevante Sortimente hinzukommt, erschwert dies die weitere Entwicklung in der nördlichen Innenstadt und führt zu einem vergrößerten Ungleichgewicht in der Kemptener Innenstadt.
Das City-Management ist sich bewusst, dass die Stadt Kempten in der Angelegenheit des Bebauungsplans „Westlich Forum Allgäu“ derzeit erheblich unter Zugzwang steht, dennoch möchte der Verein sie nachdrücklich darin bestärken, am Einzelhandelskonzept festzuhalten und nicht vorschnell Zugeständnisse zu machen, welche langfristig weitreichende negative Folgen für die Entwicklung der Innenstadt Kemptens haben würden.